Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Kirche Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Gedenkbuch

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Franz Xaver Finke



Häftlingsnummer im KZ Sachsenhausen

Kein Stolperstein vorhanden.
Geboren am: 23.04.1907
Geburtsort: Bochum-Werne
Ermordet am: 03.07.1942
Verlegeort:  
Initiator:  
Zum Lebensweg: Franz Finke Franz Xaver Finke wurde am 23. April 1907 in Bochum-Werne im Ruhrgebiet als Sohn eines Bergmanns geboren und katholisch getauft.1

Nach dem Besuch der Volksschule von 1913 bis 1919 erhielt er einen Platz im Bischöflichen Knabenseminar in Paderborn und besuchte das dortige Gymnasium. Er studierte dann Theologie in Paderborn und Innsbruck und wurde 1933 in Paderborn zum Priester geweiht. 1934 übernahm er die Leitung des Erzbischöflichen Knabenseminars in Werl in der Mellinstraße 5 in Westfalen. Er galt später als Gegner der Nazis, da er an dem Verbot, dass Schüler Mitglied der Hitlerjugend werden konnten, festhielt.



   Bild: 🔎 Franz Finke; Quelle: Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, S. 252

1939 tauchten Gerüchte auf, er habe sich an einigen Schülern vergangen und am 17. August 1939 überführte ihn die Polizei in Polizeigewahrsam in Paderborn. Er gestand. Das Landgericht Arnstadt in Westfalen verurteilt ihn am 30. April 1940 wegen "widernatürlicher Unzucht" unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft auf die Strafhaft zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre. Die Staatsanwaltschaft wünschte anscheinend eine schärfere Bestrafung und ging in die Revision, hatte aber keinen Erfolg.2

Rein rechnerisch sollte er seine Strafe bis Ende Oktober 1941 verbüßen, doch der Justizvollzug entließ ihn nicht mehr in die Freiheit, sondern lieferte ihn der Polizei aus. Etwa Mitte November 1941 transportierte man ihn in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, wo die SS ihn als §175-"Berufsverbrecher" einstufte und er die Häftlingsnummer 40.343 erhielt. Wie fast alle Homosexuellen wurde er gezwungen, in der  ⟩  Strafkompanie Schuhläufer in täglichen 40-Kilometermärschen Schuhwerk für die Wehrmacht zu testen.3

Wegen einer Lungenentzündung musste er in den Häftlingskrankenbau, genas aber wieder. Der Zeitpunkt seines Zugangs im KZ Sachsenhausen war denkbar ungünstig. Im Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen wurden zwischen Juli und September 1942 gezielt etwa 180 bis 200 homosexuelle Häftlinge umgebracht.4

Franz Finke wurde am 3. Juli 1942 im Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen von der SS ermordet. Er wurde 35 Jahre alt. Als offizielle Todesursache gab die SS an, er sei um 15.30 Uhr an einer doppelseitigen Lungenentzündung verstorben.

Ausführlicher in: Franz Finke und Edward Klinik: Zwei Märtyrer aus Werne.pdf
Autor: Rainer Hoffschildt, Hannover. Ich danke Fred Brade und Joachim Müller, beide Berlin, für die Informationen aus dem Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ich danke Niko Ewers, Bielefeld, für Informationen.
Fußnoten:
1  KZ Sachsenhausen 1936 - 1945: ⟩ Totenbuch
2  Aus der Pfarreigeschichte katholische Pfarrei Liebfrauen Bochum ⟩  Zwei Märtyrer aus Werne
3   Joachim Müller »Wie die Bewegung, so die Verpflegung« Die Strafkompanie Schuhläufer; In: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 181 ff.
4   Joachim Müller »Unnatürliche Todesfälle«, in: Joachim Müller, Andreas Sternweiler, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 216 ff.
  ⟩ Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.