Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Kirche Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Gedenkbuch

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Alfred "Fred" Paul Böddicker

Gedenkbuch Alfred Böddicker Geboren am: 18.01.1886
Geburtsort: Elberfeld
Ermordet am: 13.08.1942
Verlegeort:  20359 Hamburg St. Georg, Simon-von-Utrecht-Straße 65
Initiator: Initiative "Gemeinsam gegen das Vergessen – Gedenkbuch für homosexuelle NS-Opfer“, Hamburg
Zum Lebensweg: Der Steward und Kellner Alfred Böddicker wurde 1886 als Sohn des Ehepaars Gertrud (geb. Rieger) und Ferdinand Böddicker in Elberfeld geboren. Er war in Hamburg NSDAP-Mitglied (Abteilung Seefahrt) und Mitglied der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Fünfmal wurde er wegen ungenehmigter Abmusterungen von Schiffen und wegen Eigentumsdelikten bestraft.

Nachdem sein Bekannter Alfred Flanse (gestorben am 14.2.1944 KZ Majdanek) im April 1936 durch den Nachbarn Karl Saatze denunziert worden war, nahm die Kriminalpolizei auch Ermittlungen gegen Alfred Böddicker auf. Saatze: "Was Flanse nun mit den jungen Leuten vorgehabt hat, kann ich nicht angeben. Wenn ich mich überzeugen wollte, war stets die Tür verschlossen und das Schlüsselloch zugestopft. ... Ich vermute aber, dass es sich grösstenteils um Strichjungen handelt, die auf St. Pauli sich herumtreiben. Es mag sein, dass Flanse diese Jungens auf den Strich geschickt hat."

Bei der Durchsuchung von Böddickers Zimmer trafen die Beamten dort den 19-jährigen Messejungen Werner W. an. Wie sich im Verhör herausstellte, hatten sich die beiden 1933 am Millerntor kennengelernt. Aus der losen Bekanntschaft entwickelte sich eine Partnerschaft; seit 1935 wohnten sie zusammen.

Am 30. Juli 1936 wurde Alfred Böddicker für diese Beziehung von der Großen Strafkammer 1 des Landgerichts Hamburg zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe wegen Vergehens nach § 175 RStGB alter und neuer Fassung verurteilt. Sein Gnadengesuch vom 13. Juni 1937 war erfolglos. Seine Entlassung fand am 30. Oktober 1937 aus dem Strafgefängnis Lübeck-Lauerhof statt.

1939 wurde Alfred Böddicker erneut Opfer einer Denunziation - dieses Mal durch den ehemaligen Arbeitskollegen Robert B. Vom 10. bis 17. Juni 1939 war Bödicker in polizeilicher "Schutzhaft" im KZ Fuhlsbüttel. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn im selben Jahr zu drei Jahren Gefängnis nach § 175 RStGB. Nach einem Jahr in den Emslandlagern wurde Böddicker im Juni 1940 an die Kriminalpolizei Hamburg überstellt.1

Für Mitte 1942 existiert ein Beleg dafür, dass er als "befristeter Vorbeugungshäftling" ins KZ Sachsenhausen verbracht worden war, wo er am 13. August 1942 im AL Klinkerwerk ermordet wurde.2
Fußnoten:
1 StaH 213-8 Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht - Verwaltung, Abl. 2, 451 a E 1, 1 d; StaH 213-11 Staatsanwaltschaft Landgericht - Strafsachen, 10152/36; StaH 242-1 II Gefängnisverwaltung II, Abl. 13 u. 16
2 © Bernhard Rosenkranz †/Ulf Bollmann - Stolpersteine in Hamburg (www.stolpersteine-hamburg.de)
   Vgl. Müller, Joachim, Unnatürliche Todesfälle, in: Müller, Joachim, Sternweiler, Andreas, Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen, Berlin 2000, S. 23.
   Totenbuch
   Video von der Gedenkveranstaltung am 10.09.2017 am Gedenkort Klinkerwerk.