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»RosaWinkelGedenkbuch« Wilhelm, Heinrich Waltereit |
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Bild: © Klaus Möller, Initiative Gedenken in Harburg |
Geboren am: | 02.08.1893 |
| Geburtsort: | Harburg | |
| Ermordet am: | 03.03.1941 | |
| Beisetzungsort: |
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Begräbnisstätte und Erinnerungsort auf dem Friedhof Altglienicke
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| Verlegeort: | 〉 21073 Hamburg, Harburger Ring 8 | |
| Initiator: | k. A. | |
| Zum Lebensweg: |
Wilhelm Heinrich Waltereit wurde am 2. August 1893 in der Harburger 〉 Elisenstraße 19 geboren. Er entstammte einer weit verzweigten Harburger Familie. Seine Eltern waren der Arbeiter Carl Gustav Waltereit (in späteren Dokumenten auch als Karl Friedrich geführt) und Henriette Emma Waltereit, geborene Bleyer. Wilhelm wuchs mit sechs Geschwistern auf. Im Jahr 1908 wurde er aus der obersten Volksschulklasse entlassen. Nach der Schule trat er keine klassische Lehre an, sondern verdiente seinen Lebensunterhalt über Jahrzehnte hinweg durch verschiedene Anstellungen im Harburger Raum. Bis zum Jahr 1936 arbeitete er unter anderem als Kontorbote bei den Harburger Eisen- und Bronzewerken, Lichtpauser für lokale Betriebe. ... ... Am Abend des 26. Oktobers 1937 stieß er in angetrunkenem Zustand an der Dreifaltigkeitskirche in der Harburger Innenstadt auf eine Gruppe von neun männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Nach deren Berichten war Wilhelm Waltereit zudringlich, fasste sie um die Hüfte, machte anzügliche Bemerkungen, ... und soll dem Jüngsten dieser Gruppe an den Oberschenkel gegriffen haben. Nachdem die Jugendlichen mit ihm ihr Spiel getrieben, sich scheinbar auf ihn eingelassen hatten und mit ihm durch die westliche Harburger Innenstadt gezogen waren, brachten sie ihn zur Polizeiwache in der Marienstraße, und der Jüngste zeigte ihn bei der Polizei an.1 Bis zum 9. Dezember 1937 wurde er im KZ Fuhlsbüttel in "Schutzhaft" genommen. Während der kriminalpolizeilichen Vernehmungen bestritt Wilhelm Waltereit, sich am 26. Oktober 1937 strafbar gemacht zu haben, räumte aber eine gleichgeschlechtliche Handlung im Jahre 1936 ein, was er im Prozess am 4. Februar 1938 widerrief. Deshalb setzte das Gericht die Verhandlung aus und ordnete weitere Untersuchungen an. Im zweiten Prozesstermin am 14. Oktober 1938 verurteilte der Richter ihn zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft, sodass er noch am selben Tag entlassen wurde. Nur 4½ Monate später, am 4. März 1939, wurde Wilhelm Waltereit erneut in "Schutzhaft" im KZ Fuhlsbüttel genommen, wo er bis zur Überführung in die Untersuchungshaft am 10. März 1939 verblieb. Am 17. Juli 1939 verurteilte ihn das Gericht wegen "eines versuchten Sittenverbrechens" zu einer Strafe von 15 Monaten Zuchthaus, die er bis zum 24. Oktober 1940 im Zuchthaus Fuhlsbüttel verbüßte. Nach seiner Haftentlassung wurde er nicht an seine Harburger Heimatadresse entlassen, sondern der Polizeibehörde (P. B.) übergeben. Von dort aus verschleppten ihn die Nationalsozialisten über das innerstädtische Polizeigefängnis Hütten in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Die SS registrierte ihn als homosexuellen Häftling in der Kategorie "Rosa-Winkel-Häftling" und teilte ihm die Häftlingsnummer 35047 zu. Am 21. Februar 1941 verlegte man ihn innerhalb des Konzentrationslagers vom Häftlingsblock "Isolierung" 2 in den Krankenbau. Dort kam er wenige Tage später, am 3. März 1941, ums Leben – er wurde Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Seine Leiche wurde eingeäschert, die Urne mit der Nummer 1168 wurde am 07.03.1941 auf dem 〉 Städt. Friedhof, Berlin-Altglienicke, Schönefelder Chaussse 100, im Urnen-Sammelgrab, Abteilung U1/U2 786 vergraben. |
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Autoren: Gottfried Lorenz & Ulf Bollmann, Hamburg, 2014, ergänzt, überarbeitet Lothar Dönitz, Berlin, 2026
Fußnoten: 1 Gottfried Lorenz: Sündenbabel Harburg? Homosexuellen- und Pädophilen-Skandale in Hamburg-Harburg während der NS-Zeit. In: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten. 13. Jg. (2011), 〉 S. 115–143. (pdf) & Stolpersteine Hamburg 〉 Wilhelm Waltereit 2 Siehe: Müller, Joachim: »Wohl dem, der hier nur eine Nummer ist«. Die Isolierung der Homosexuellen. In: Müller, Joachim / Sternweiler, Andreas (Hrsg.): Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen. Berlin: Verlag rosa Winkel, 2000, S. 89–106 Quellen: • KZ Sachsenhausen 1936 - 1945: 〉 Internet-Totenbuch • Arolsen Archives, Sterbebucheintragungen über verstorbene Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen 〉 DocID 4127816 • Arolsen Archives, Karteikarte Amt für die Erfassung der Kriegsopfer Berlin 〉 DocID 130653127 • Arolsen Archives, KZ Sachsenhausen. Veränderungsmeldung 21. Februar 1941 〉 DocID 4089284 • Arolsen Archives, Listenmaterial Sachsenhausen Arbeitskopien Ordner 41 〉 DocID 4083822 • Arolsen Archives, Namenliste über Ausländer, die auf dem Friedhof Berlin-Altglienicke (Johannisthal) beerdigt wurden ... 〉 DocID 78852549 • Hamburg, Deutschland, Geburtsregister, 1874-1901 für Wilhelm Heinrich Waltereit: 〉 ancestry.de |
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