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»RosaWinkelGedenkbuch« Gedenken an die Opfergruppe "Häftlinge mit dem rosa Winkel"Totgeschlagen - totgeschwiegen
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21. Mai 1983 - Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (DDR)Die KZ-Gedenkstätten in der DDR, in der Bundesrepublik und Östereich weigerten sich, der Opfergruppe der Männer mit dem Rosa-Winkel zu Gedenken und wenigstens eine Gedenktafel zu widmen. Eine Berliner Gruppe von Schwulen & Lesben um den schwulen Aktivisten 〉 Christian Pulz (∗ 14.12.1944 † 15.04.2021) hat die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen besucht. Dies wurde wurde von der Kreisdienststelle Oranienburg des MfS beobachtet:
Danach waren im Zusammenwirken des Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) mit 〉 Otto Funke, Vorsitzender der Zentralleitung des 〉 Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, bis 1987 solches Gedenken in der DDR verboten. 🔎 Foto: Ausschnitt aus dem Dokument; Quelle: BStU, MfS, BV Potsdam, KD Oranienburg, Nr. 12398 24. Juni 1984 - KZ Neuengamme - Ehrung für die homosexuellen Opfer»Hamburg (AS). Mit Kränzen und einer Feierstunde ehrten Vertreter in- und ausländischer Homosexuellen Organisationen auf dem Gelände der Gedenkstätte des ehemaligen 〉 Konzentrationslagers Neuengamme am 24. Juni 1984 die Homosexuellen Opfer der Nazi-Diktatur. An der Veranstaltung der glf Köln und der UHA Hamburg nahmen rund 100 Personen teil.« Die 〉 Gay Liberation Front (glf) Köln wurde im Dezember 1971 gegründet und gilt als ein historischer Meilenstein sowie als eine der wichtigsten Keimzellen der modernen queeren Bewegung in Deutschland. 1971 wurde die Gay Liberation Front in Köln an drei Abenden (2., 9. und 16. Dezember) gegründet, angeregt durch Diskussionen um den Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von Rosa von Praunheim, der im damaligen „City“ am 26. und 27. November gezeigt wurde. Die 〉 Unabhängige Homosexuelle Alternative e.V. in Hamburg, eine der ältesten noch existierenden schwulen Gruppierungen in der BRD benennt sich nach 35 Jahren um – sie trägt zukünftig den Namen des Zentrums, das heute ihr Wesenskern ist. Ab Oktober 2014 soll der Verein statt UHA dann Magnus-Hirschfeld-Centrum e.V. heißen. 🔎 Foto: Ausschnitt aus der Siegessäule Berlins Monatsblatt für Schwule, Nummer 5, August 1984, Seite 6 11. Mai 1985 - KZ Neuengamme - Gedenkstein: "Den homosexuellen Opfern"Am 11. Mai 1985 setzten Vertreter verschiedener Hamburger Schwulengruppen – auf Initiative der UHA (Unabhängige Homosexuelle Alternative), mit Unterstützung des Hamburger Senats und in Anwesenheit des SPD-Bundestagsabgeordneten Freimut Duve – den Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer. Hauptredner der Veranstaltung war 〉 Hans-Georg Stümke (alias Elvira Klöppelschuh). Der Gedenkstein war damals der zweite Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer überhaupt (der erste wurde 1984 in Mauthausen durch die HOSI Wien errichtet) und der erste in Deutschland. 1995 wurde der Gedenkstein um 50 Meter versetzt – Angehörige hatten befürchtet, man könne ihre Toten für Homosexuelle halten. 1996 wurde die Anlage neu gestaltet und eine Informationstafel ergänzt. 2005/07 wurde der Gedenkstein an den neuen zentralen Gedenkort versetzt. 🔎 Foto: Gedenkstein homosexuelle NS Opfer KZ Neuengamme, Fabius / gemeinfrei 30. Juni 1984 - Versuchte und verhinderte Kranzniederlegung in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (DDR)
Die Arbeitsgruppe "Homosexueller für den Frieden" (ESG) plante einen Besuch und Kranzniederlegung in der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. "Operativen Information" des MfS, Abteilung XX/2, Aktenzeichen lu-pl 42 328 vom 27.6.1984: Folgender organisatorischer Ablauf wurde bekannt:
Am 30.6., 13.00 Uhr, Treffen auf dem S-Bahnhof Schönhauser Allee (wer zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend sein kann,
soll sich um 14.00 Uhr in Oranienburg einfinden).
- Gemeinsamer Besuch der Mahn- und Gedenkstätte mit
In einem weiteren 〉 Vermerk der HA XX/1 des MfS vom 28. Juni 1984 wurden die Begründung der Maßnahmen zur Verhinderung des Gedenkens beschrieben. Die Hauptabteilung XX des MfS war zuständig für die Überwachung und Zersetzung des sogenannten "politischen Untergrunds" in der DDR. Ihr spezifischer Aufgabenbereich umfasste den Staatsapparat, Kultur, Kirchen, und den oppositionellen Untergrund. Das Gedenken in Sachsenhausen wurde verhindert, der Kranz mit der 〉 Kranzschleife wurde zum Gottesdienst auf dem Hof der Erlöserkirche aufgestellt. 🔎 Foto: MfS Abteilung XX/2,Operative Information, Quelle: IMB "Christian, überprüft und zuverlässig..." 19. Oktober 1984 - Anfrage/Bitte der Homosexuellen Inititative Wien (HoSI Wien) bei der Direktion der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (DDR)
Anlässlich der Einweihung einer Gedenktafel im ehemaligen KZ Mauthausen für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus am 26. November 1984 richten sie im Brief vom 19. Oktober 1984 die Bitte an die Direktion der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen: "... Wir möchten auch in der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen am dafür vorgesehenen Platz einen Kranz für die homosexuellen Opfer des Nazismus niederlegen lassen. Wir bitten Sie daher uns Name und Adresse einer Gärtnerei zu nennen, die wir mit der Herstellung eines Kranzes in Form eines Rosa Winkels (rosarote Blumen) und einer Kranzschleife (Aufschrift: Den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus") beauftragen können. ... Wir möchten nochmals unterstreichen, daß uns sehr daran gelegen ist, daß gerade in Sachsenhausen ein Kranz niedergelegt wird, war doch dieses Lager das "Auschwitz der Homosexuellen" ..." Die Leitung der Gedenkstätte ließ diesen Brief unbeantwortet. Davon unterrichtete der Direktor der Gedenkstätte Herr Biereigel das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR, die SED-Kreisleitung Oranienburg und das Ministerium für Kultur, Abt. Museen und Denkmalpflege (und sicher auch die Kreisdienststelle des MfS Oranienburg):
"Oranienburg, 26.10.1984
Foto: 🔎 Brief der HoSI Wien vom 19. Oktober 1984. Quelle: Archiv der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen 9. Dezember 1984 - KZ Gedenkstätte Mauthausen (Östereich)
Totgeschlagen - Totgeschwiegen
Das weltweit erste Mahnmal für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus befindet sich in der 〉 KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich. Es hat die Form eines Dreiecks und wurde an der Innenmauer des ehemaligen Konzentrationslagers enthüllt. Diese Gestaltung wurde zum Vorbild für weitere Gedenktafeln. Bei der Einweihung der Gedenktafel in Mauthausen nahmen keine politischen Vertreter teil. Schon lange vor dem sogenannten „Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurden homosexuelle Männer und Frauen in Österreich verfolgt. Der § 129 Ib des österreichischen Strafgesetzes von 1852 blieb auch nach 1938 aufrecht und stellte weibliche Homosexualität im Unterschied zum übrigen Deutschen Reich ebenfalls unter Strafe. Rainer Hoffschildt veröffentlichte seine Forschungsergebnisse〉 Rosa-Winkel-Häftlinge im KZ Mauthausen (pdf) in "lamda - Das Magazin der der HOSI Wien" 〉 lambdanachrichten Juni 2001. 1985 - Totgeschlagen - totgeschwiegen - KZ Gedenkstätte Dachau (BRD)
... so lautet der Text auf der Gedenktafel für die Rosa-Winkel-Häftlinge. Es war der Wunsch der Münchner Schwulengruppen, dass diese Tafel aus rosa Marmor 1985 im Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau aufgestellt werden würde, um wenigstens einen Hinweis auf die Homosexuellenverfolgung zu geben. Es folgte jedoch ein zehn Jahre dauernder Kampf gegen alte Vorurteile, die unter den Überlebenden des KZ, aber auch unter den Politikern noch lange lebendig waren. Die erste für die KZ-Gedenkstätte Dachau erstellte 〉 Das Gedenken an die homosexuellen Opfer - Ein Kampf um die Sichtbarkeit der "stummen Sünde". Schon lange zuvor hatte der Bürgermeister Dachaus, Hans Zauner (CSU) 1960 gesagt: „Bitte machen Sie nicht den Fehler und glauben Sie, dass nur Helden in Dachau gestorben sind (. . . ). Sie müssen sich daran erinnern, dass viele Verbrecher und Homosexuelle in Dachau waren. Wollen Sie ein Ehrenmal für solche Leute?“ Quelle: Ulrich Würdemann 〉 2mecs KZ Gedenkstätten Dachau. 27. Juni 1985 - Der West-Berliner Schwulenaktivist 〉 Detlef Mücke erinnert sich ...... an eine Kranzniederlegung in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (DDR).Anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus (8. Mai 1985) sollte im Rahmen des "Christopher Street Day" (CSD) an die Rosa-Winkel-Häftlinge erinnert werden. Aus diesem Grund hat das »Kommunikations- und Beratungszentrum homosexueller Frauen und Männer e.V.« in Berlin (West)« zu einer Kranzniederlegung in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (NMuG - DDR/Oranienburg) eingeladen. Dazu mussten die Teilnehmer aus West-Berlin persönlich einen "Antrag auf Einreise in die DDR" in einem "Büro für Besuchs- und Reiseangelegenheiten" stellen. Bild links: 🔎 Einladung und Antrag auf Sonderurlaub (pdf), Archiv Detlef Mücke
Auf dem Programm standen:
Die Gruppe befürchtete, dass die DDR-Grenzschützer die Rede oder die Kranzschleife bei der Einreise abnehmen würden. Deshalb kopierte Joachim Müller die Rede noch vor der Grenze und verteilte sie an die Teilnehmenden. Detlef Mücke ließ in West-Berlin eine rote Schleife drucken. Darauf stand: DIE OPFER MAHNEN UNS / TREFFEN DER BERLINER SCHWULENGRUPPEN Er versteckte die Schleife in seiner Unterhose und schmuggelte sie über den Bahnhof Friedrichstraße in den Osten. In Ost-Berlin konnte man so etwas nicht herstellen. Später band die Gruppe die Schleife an den Kranz. Die West-Berliner Schwulenaktivisten wurden von Herrn Meister, einem Mitarbeiter der pädagogischen Abteilung der NMuG, geführt und begleitet: „Herr Meister war ein dem Thema aufgeschlossener und gesprächsbereiter Begleiter.“ Für einen Missklang sorgte jedoch das geschmackvolle Gebinde der pädagogischen Abteilung. Dessen Schleife war auf der „Absenderseite“ unbedruckt geblieben. Die Gedenkveranstaltung wurde vom Staatssicherheitsdienst der DDR (MfS) überwacht und gestört. Das MfS forderte die pädagogische Mitarbeiterin Frau Bürger auf, die Kranzschleife zu entfernen. Als diese sich aus religiösen Gründen weigerte, übernahm ein anderer Kollege die Aufgabe. Bild links: 🔎 Joachim Müller hält die Gedenkrede, 2. v.l. Ingrid Klebon (lesbische Aktivistin),
»Spurensuche - Anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus sollte am 27. Juni 1985 ...«
Bild links: 🔎 Frau Elisabeth Bürger (ehem. Mitarbeiterin in der pädagogischen Abteilung der NMuG Sachsenhausen/DDR), Detlef Mücke und Lothar Dönitz (Gesprächskreis Homosexualität der Ev. Advent-Kirche Berlin-Prenzlauer Berg) werden von Peter Rausch, (seit 1973 DDR-Schwulenaktivist) über die Kranzniederlegung befragt. Das Interview wurde am 23.01.2018 von Frau Manuela Kirchhoff, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, aufgezeichnet. Hier ein Ausschnitt des Interviews [0:17:14]. Das vollständige Interview können Sie in der 〉 Mediathek der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen einsehen. → Zweiter Teil die Jahre ab 1988 |